Interview mit Herrn Korb

Herr Korb, als der QUL gegründet wurde 1994 waren Sie schon bei Lonsberg, damals noch als Außendienstler, heute als Geschäftsführer. Nun ist Lonsberg ja auch ein deutscher Traditionsbetrieb, was die Herstellung von Matratzen angeht. Wie wichtig war dabei das Thema Natur?

Das war schon immer ein Thema bei Lonsberg. Begonnen hat man ja mit Seegras und Stroh als Matratzenfüller, einfach weil es nichts anderes gab. Erst später kam dann Schaumstoff und Federkern dazu, 1989 aber für die wachsende Öko-Szene auch wieder die Strohmatratze. Die waren allerdings bretthart, so wollte man mittlerweile nicht mehr liegen. In der 90ern sind wir dann umgestiegen auf Naturlatex, weil wir uns komplett auf diese Schiene konzentrieren wollten. Und schon kamen die Fragen auf: ist das denn auch wirklich reine Natur, was uns da verkauft wird? Wir haben unseren Naturlatex von einem großen Schäumer bezogen, waren also angewiesen auf dessen Angaben und dessen Angebot. Der Begriff war ja nicht geschützt, da konnte jeder im Grunde mixen was er wollte und das dann als Naturlatex bezeichnen.

Wie haben Sie sich verhalten in dieser Situation?

Unsere Kunden kamen häufig aus dem baubiologischen Bereich, die wollten Belege, dass unser Naturlatex nur Natur ist. Und dann haben wir, übrigens als erste, entsprechend gebohrt bei unserem Vorlieferanten, immer wieder. Erst hieß es, das sei technisch nicht möglich, umständlich, mit viel Umrüstung verbunden, den synthetischen vom natürlichen auseinanderzuhalten. Dann hat man dort eine eigene Produktionsschiene für Naturlatex aufgelegt, ab dem Moment konnten wir sicher sein. Da fing aber auch schon die Zusammenarbeit mit dem QUL an, d.h., da hätte man es auch im Labor gesehen, wenn wider Erwarten Anteile von Latex auf Erdöl-Basis in unseren Naturmatratzen gewesen wären.

Wie wichtig war Ihnen die Schadstoffkontrolle durch den QUL?

Sehr wichtig natürlich. Wir hatten und haben bei Lonsberg ein hohes ökologisches Bewusstsein. Von 1996-2001 haben wir Öko-Audits für den Produktionsprozess durchgeführt, sehr ambitioniert, sehr aufwendig, nur interessiert hat das den Markt offenbar noch nicht. Aber unser allererstes Anliegen mit dem QUL war das Überprüfen und Beweisen, dass unsere Naturlatexmatratzen nur Natur sind. Erst „was kommt rein“, dann „was kommt raus“. Beim Einkauf von Rohstoffen gab es ja keine Gütesiegel, an denen wir uns orientieren konnten. Wir haben, wo es ging regionale Rohstoffe bezogen, die Schurwolle kam z.B. aus Deutschland und intensive Kontakte zu unseren Vorlieferanten gepflegt. Aber klar, die Baumwolle kam aus dem Ausland, das hatten wir kaum im Griff, was dort im Anbau und der Verarbeitung passiert. Mit der Schadstoffkontrolle durch den QUL konnten wir dann unsere Naturmatratzen mit gutem Gewissen als Natur und als schadstoffarm verkaufen. Das war enorm wichtig, weil die Öko-Branche insgesamt Fahrt aufgenommen hatte.

Sie begleiten den QUL jetzt seit 25 Jahren – gab es in dieser Zeit besondere Highlights?

Die Widerlegung der Behauptung, Naturlatexmatratzen seien für Allergiker gefährlich war sicher eines. Auch das Gutachten zu Schwefelkohlenstoff in Naturlatex gehört dazu. Aber das wirklich besondere am QUL ist die Kontinuität, mit der er arbeitet, die große Konsequenz bei der Schadstoffkontrolle. Da ist noch nichts Vergleichbares nachgerückt und so hat sich das QUL-Label mittlerweile eine Position im Markt erarbeitet. Wer sich als Endverbraucher für Naturmatratzen interessiert, der hat auch schon vom QUL gehört. Wir bekommen das als Feedback von unseren Fachhandelspartnern, aber auch von Endkunden, die direkt bei uns anrufen. Die interessieren sich auch für unsere anderen Label, Fair Trade oder GOTS, aber das wichtigste ist ihnen immer noch die Schadstoffkontrolle. Ist das gesundheitsverträglich, wenn ich da nachts drauf liege.

Stichwort andere Label – sollte der QUL Ihrer Meinung nach z.B. Fair Trade zwingend vorschreiben?

Nein, ich meine, das kann Herstellersache bleiben - bis zu dem Moment, wo das Angebot an fair gehandelten und/oder nachhaltigen Materialien groß genug ist. Es hat ja keinen Sinn, etwas vorzuschreiben, wenn nicht alle mitmachen können, selbst wenn sie wöllten. Man kann das anregen, aber nicht zwingend vorschreiben, dafür gibt es nämlich derzeit noch gar nicht genug Bezugsquellen und frei verfügbare Mengen. Biobaumwolle ist jetzt im QUL verbindlich vorgeschrieben, da geht das schon.

Ein Jubiläum ist immer auch mit einem Blick nach vorne verbunden. Was wünschen Sie sich vom QUL für die Zukunft?

Dass er kontinuierlich so weiterarbeitet, am Puls der Zeit, streng ist - aber auch im Blick hat, dass das noch produzierbar sein muss. Dass er glaubhaft und nachvollziehbar bleibt. Uns ist die gesicherte und immer aktuelle Schadstoffkontrolle für die Gesundheit unserer Endkunden und unser eigenes Überleben als Firma am Markt wichtig. Dieser Garant muss der QUL bleiben, dann sind wir im QUL. Dann kann ich nur sagen: „Weiter so!“

Herr Markus Korb ist Geschäftsführer der Lonsberg Naturbetten GmbH & Co. KG, Lippstadt und Gründungsmitglied des QUL e.V.

Adresse

QUL e.V.
Bauhöferstr. 105
79115 Freiburg
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